
600 Jahre jüdische Kultur und Geschichte
Für aktives Erinnern

Ein Ort findet sein Thema...
Der „Junkernhof“ in Meimbressen bildet seit Jahrhunderten einen wichtigen historischen Bezugspunkt für die Identität des über 1100 Jahre alten Dorfes. Als Stammsitz der Wölffe von Gudenberg erinnert er an die frühere Funktion dieser Familie als Grundherrin des Dorfes. Über viele Generationen hinweg übte sie auch das Schutzrecht für die hier lebenden Jüdinnen und Juden aus.
An diese Verbindung zwischen Familien- und Ortsgeschichte und dem Leben der jüdischen Minderheit will unser Verein anknüpfen. Er wendet sich zum einen an die heutigen Meimbresserinnen und Meimbresser, die das 600jährige Zusammenleben mit jüdischen Nachbarn nur noch aus den Erzählungen kennen. Und er sucht zum anderen den Kontakt zu den Nachfahren der jüdischen Familien des Dorfes, die heute in anderen Ländern zu Hause sind. Durch seine Aktivitäten möchte er dazu beitragen, die Menschen in der gesamten nordhessischen Region mit dem Reichtum der jüdischen Kultur in Kontakt zu bringen.
Aktuelles

Vortrag
24.09.2026,
19:00h
Sara-Nussbaum-Zentrum (Kassel)
Antisemitismus oder Israelkritik? Wo endet legitime Kritik, wo beginnt Antisemitismus?
Vortrag von Dr. Gerd Stecklina, Professor für Theorie und Geschichte Sozialer Arbeit an der Hochschule München sowie Mitglied im Arbeitskreis Jüdischer Wohlfahrt.
Im Vortrag wird eine Begriffsbestimmung von Antisemitismus ebenso vorgenommen wie Beispiele für antisemitische Stereotype und Vorurteile „im neuen Gewand“ vorgestellt. Ein weiterer Aspekt wird die Strafrelevanz von antisemitischen Darstellungen und Aussagen sein.
Eine Kooperationsveranstaltung gemeinsam mit dem Arbeitskreis Jüdischer Wohlfahrt und dem Sara-Nussbaum-Zentrum Kassel
Rückfragen bitte direkt an:
Beate Lehmann:
vorstand@judaica-in-meimbressen.de
Tel. 0157-77551964 bzw. 05674-5941.

Verlegung Stolpersteine
08.09.2026, 10:00h
Treffpunkt: 9:30h Gasthaus Bornmann (Meimbressen)
An diesem Tag werden weitere „Stolpersteine“ verlegt zum Gedenken an Mitglieder der Meimbresser Familien Meier und Minna Goldwein (geb. Rosenbaum), Jakob und Rosa Frankenberg (geb. Kander), Levi und Mathilde Frankenberg (geb. Kander), Willi Löwenstein sowie Levi und Ida Goldwein (geb. Hammerschlag). Wir erwarten Nachfahren aus allen Familien und freuen uns, dass wieder Schülerinnen und Schüler der Heinrich-Grupe-Schule bei diesem Projekt mitwirken werden. Die Veranstaltung wird musikalisch von Elena Padva (Sara-Nussbaum-Zentrum Kassel) mitgestaltet.

Exkursion
25.04.2026
UNESCO-Welterbestadt Quedlinburg
Abfahrt (mit dem Bus)
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7:30h Meimbressen, DGH
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7:40h Calden, Rathaus
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8:00h Naturkundemuseum Kassel, Parkplatz
Rückkehr gegen 19:00 Uhr
Die diesjährige Studienfahrt führt nach Quedlinburg. Dort besteht die Möglichkeit, wahlweise an einer Führung durch das Feininger-Museum oder einer Stadtführung (beide jeweils 1,5 Stunden) teilzunehmen.
Kosten: 39 Euro
Nach der Anmeldung mit dem Vermerk „Fahrt Quedlinburg“ bitte überweisen auf das folgende Vereinskonto
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IBAN: DE58 5205 1877 0000 0396 51
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Stadtsparkasse Grebenstein
Den Zeitungsbericht dazu finden hier

Konzert
25.01.2026,
17:00h Karlskirche (Kassel)
REMEMBER ME:Holocaust-Gedenkkonzert
Milena Hoge (Harfe) | Marcia Lemke-Kern (Sopran) | Kerstin Petersen (Orgel)
Der Eintritt ist frei; Spenden werden erbeten.
In Kooperation mit dem Ev. Forum Kassel | Sara Nussbaum Zentrum Kassel | Verein zur Rettung der Synagoge Felsberg e.V. | Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Kassel | Gedenkstätte Breitenau | Judaica in Meimbressen e.V. | vhs Volkshochschule Region Kassel | Deutsch-Israelische Gesellschaft | Katholische Kirche Kassel | Volksbund | Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge | Museum für Sepulkralkultur | Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V.
7. Oktober 2026
Wir stehen an der Seite der Jüdischen Gemeinde Kassel und gedenken gemeinsam aller Opfer des grausamen Massakers von Hamas-Terroristen in Israel vor drei Jahren.
#RememberTogether

Thorarolle taucht wieder auf
Das Heiligste aus Meimbressens Synagoge überlebte und gelangte in die USA
von Dorina Binienda-Beer
Meimbressen. Kurz vor seiner nächsten und damit dritten Stolpersteinverlegung erreichte den Verein Judaica in Meimbressen eine überraschende Nachricht: In den USA ist eine aus der einstigen Meimbresser Synagoge stammende Thorarolle aufgetaucht, zumindest deutet alles auf diese Herkunft hin. Nach Verwüstung des jüdischen Gebetshauses durch die Nazis im November 1938 und seinem späteren Abriss zeugen in Meimbressen schon lange keine religiösen Relikte mehr von einst 600 Jahren jüdischen Lebens in dem Dorf an der Nebelbeeke. Umso wertvoller erscheint nun das Überleben dieser Thorarolle, der auf Hebräisch handgeschriebenen heiligen Schrift des Judentums und damit Herzstück der jüdischen Kultusgemeinde. Zwar existierten noch vier weitere Thorarollen in Meimbressen. Sie wurden allerdings, weil im Pogrom geschändet und damit nicht mehr benutzbar, seinerzeit von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde auf dem jüdischen Friedhof rituell beerdigt. So heißt es in einem Zeitzeugenbericht.
Wie die Geschichte von der Wiederentdeckung begann: Aus dem US-Staat Connecticut fragte kürzlich ein Rabbiner beim Verein Judaica Kontaktdaten von Alon Voremberg an, jenem jungen Israeli aus Haifa, der voriges Jahr in Meimbressen familiären Spuren seiner jüdischen Vorfahren nachspürte. Den HNA-Bericht über diesen Besuch hatte der Rabbi auf der Homepage des Judaica-Vereins entdeckt – im Zuge seiner Recherchen zum Namen Voremberg. Denn der spielt in dieser Geschichte die Schlüsselrolle.
„Werner Voremberg, geb. 30.4.1927“ steht in fein säuberlicher Handschrift auf dem langen, verzierten Stoffband, mit dem die Thorarolle in Connecticut umwickelt ist. Jahrhundertelang dienten vor allem im deutschsprachigen Judentum diese sogenannten Wimpel aus Leinen oder Baumwolle dazu, Thorarollen zusammenzuhalten. Der Thorawimpel aus vier aneinander genähten langen Stoffbahnen wurde aus der Windel gefertigt, die ein männlicher Säugling am Tag seiner Beschneidung trug. In diesem Fall muss sie also Werner Voremberg getragen haben: der Großvater von Alon.
Die Mitteilung des Rabbis über die Existenz des Wimpels an Alon hat ihn und weitere Familienmitglieder zutiefst berührt. Werner Voremberg selbst erreichte die Nachricht nicht mehr, er starb 2019. Meimbressen hatte er im September 1938 als Kind verlassen, gemeinsam mit seinen beiden älteren Brüdern und den Eltern. Sein Vater, der angesehene Meimbresser Viehhändler Jakob Voremberg, und Mutter Jenny hatten sich unter dem Eindruck schwerster Repressionen gerade noch rechtzeitig zur Emigration mit ihren Söhnen nach Erez-Israel durchgerungen. Als alter Mann kam Werner Voremberg auf Einladung seines Kindheitsfreundes Eberhard Wolff von Gudenberg 2006 noch einmal kurz zurück nach Meimbressen – zur 1100-Jahr-Feier seines Geburtsortes.
Wie die Thorarolle mit dem eindeutig ihm und somit auch Meimbressen zuzuordnenden Wimpel in die USA gelangte, darüber kann nur spekuliert werden. Dass sie nach Meimbressen zurückkehren könnte, gilt als ausgeschlossen. Denn eine jüdische Gemeinde gibt es hier seit fast 90 Jahren nicht mehr.
Den gleichlautenden Zeitungsartikel in der HNA-Hofgeismarer Allgemeine finden Sie hier.
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Torah scroll resurfaces
The holiest artefact from Meimbressen’s synagogue survived and found its way to the USA
by Dorina Binienda-Beer
Meimbressen. Shortly before its next – and third – Stolperstein laying ceremony, the Judaica Association in Meimbressen received some surprising news: A Torah scroll originating from the former Meimbressen synagogue has turned up in the USA; at least, all the evidence points to this being its source. Following the desecration of the Jewish house of prayer by the Nazis in November 1938 and its subsequent demolition, there have long been no religious relics left in Meimbressen to bear witness to the 600 years of Jewish life that once existed in the village on the Nebelbeeke. This makes the survival of this Torah scroll – the sacred text of Judaism, handwritten in Hebrew and thus the heart of the Jewish community – all the more precious. Although four other Torah scrolls did exist in Meimbressen, they were ritually buried in the Jewish cemetery by members of the Jewish community at the time, as they had been desecrated during the pogrom and were therefore no longer usable. This is according to an eyewitness account.
How the story of the rediscovery began: A rabbi from the US state of Connecticut recently contacted the Judaica Association to request the contact details of Alon Voremberg, the young Israeli from Haifa who, last year in Meimbressen, traced the family history of his Jewish ancestors. The rabbi had come across the HNA report on this visit on the Judaica Association’s website – whilst researching the name Voremberg. For this name plays a key role in this story.
„Werner Voremberg, born 30 April 1927“ is written in neat, tidy handwriting on the long, ornate fabric ribbon with which the Torah scroll in Connecticut is wrapped. For centuries, particularly within German-speaking Jewish communities, these so-called pennants, made of linen or cotton, were used to hold Torah scrolls together. The Torah pennant, consisting of four long strips of fabric sewn together, was made from the nappy worn by a male infant on the day of his circumcision. In this case, therefore, it must have been worn by Werner Voremberg: Alon’s grandfather.
The rabbi’s message to Alon regarding the existence of the pennant deeply moved him and other members of his family. Werner Voremberg himself did not live to hear the news; he died in 2019. He had left Meimbressen as a child in September 1938, together with his two older brothers and his parents. His father, the respected Meimbressen cattle dealer Jakob Voremberg, and his mother Jenny had, under the weight of severe repression, managed just in time to bring themselves to emigrate with their sons to Eretz Israel. As an elderly man, Werner Voremberg returned briefly to Meimbressen in 2006 at the invitation of his childhood friend Eberhard Wolff von Gudenberg – to attend the 1,100th-anniversary celebrations of his birthplace.
One can only speculate as to how the Torah scroll, bearing the pennant clearly attributable to him and thus also to Meimbressen, came to be in the USA. The possibility of it returning to Meimbressen is considered out of the question, as there has been no Jewish community here for almost 90 years.
The Judaica Association serves as a repository of memory
Descendants of Meimbressen’s Jewish community learn valuable insights into their family history
Meimbressen. „We are interested in the life stories of ordinary people and, through our remembrance work, we make them symbolically visible once again within the village community,“ says Michael Dorhs. The vice-chairman of Judaica in Meimbressen has been researching and publishing on the history of Jewish families in the Hofgeismar area for a good 40 years. He knows there are many biographies of renowned Jewish artists and scholars. But he believes it is just as important to look back at the life stories and fates of ordinary Jewish people from the neighbourhood, such as cattle dealers and shopkeepers. They lived throughout the village of Meimbressen and led lives much like their Christian neighbours – until 1933.
Active remembrance is one area of work undertaken by the Meimbressen Association; maintaining contact with the descendants of former Jewish residents of Meimbressen is another. Four years after its foundation, Judaica in Meimbressen is in contact with eight families of descendants in various countries. A number of relatives have already visited Meimbressen in search of their family’s history, and descendants of former Jewish residents are also expected to attend the forthcoming Stolperstein laying ceremony.
Over time, Dorhs has witnessed a reversal in the transfer of knowledge. Originally, as part of his research – even whilst he was still a theology student – he gathered as much information as possible with the help of Holocaust survivors. Today, with hardly any victims of the Nazi regime still alive, he himself is the source of information. According to Dorhs, the descendants are both impressed and grateful to be able to draw on knowledge and data about their families. Parents and grandparents can no longer be asked; ‘often they did not even talk about what their families had experienced’. The Judaica association in Meimbressen thus acts as a repository of memory for these families and others interested in the subject.
You can find the original article from the HNA dated 5 September 2026 here.
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